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Ein Indoor-Flohmarkt der ganz besonderen Art

Das „Hin & Weg“ wird 10 Jahre alt. Das soziale Projekt fördert psychisch kranke Menschen und ist in Niedersachsen einmalig. 

Von Stefan Simon

Friederike Kopili und Leiterin Ute Vogelsang im Hin & Weg Indoor-Flohmarkt der Tagesstätte Peine (Foto: Stefan Simon)
Friederike Kopili und Leiterin Ute Vogelsang im Hin & Weg Indoor-Flohmarkt der Tagesstätte Peine (Foto: Stefan Simon)

 

Peine. Auf dem ersten Blick wirkt das „Hin & Weg“ in der Echternstraße wie jeder andere Laden auch. Die Regale sind mit Büchern, Filme, Kuscheltieren oder Deko gefüllt. Hier gibt's keine Neuwaren, dafür gut erhaltenes Second-Hand. Klingt zunächst nicht spektakulär, doch was den Laden besonders macht, sind seine Mitarbeiter und sein Konzept.

 

Denn das „Hin & Weg“ ist ein Indoor-Flohmarkt und die Mitarbeiter sind Teil des arbeitstherapeutischen Projekts der Peiner Tagesstätten. Menschen, die psychisch erkrankt und deswegen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, sollen durch die Mitarbeit im Geschäft wieder lernen verantwortungsbewusst und selbstständig zu arbeiten. „Das Projekt orientiert sich nah an der Arbeitswelt. Die

Mitarbeiter führen den Laden selbst“, sagt Ute Vogelsang, Leiterin von „Hin & Weg“. 

Zwölf Menschen mit psychischer Beeinträchtigung arbeiten hier. Jeder von ihnen muss zwei bis drei Schichten pro Woche übernehmen. Einmal in der Woche erfolgt ein Kompetenztraining. Dort sollen sie in Rollenspielen ihre sozialen Kompetenzen stärken, die im Arbeitsalltag im Indoor-Flohmarkt wichtig sind. Dabei werden sie mit einer Kamera gefilmt, um im Anschluss ihr Verhalten kritisch zu beäugen.

Das Konzept des Geschäfts ist ganz einfach: Wer möchte, kann für mindestens eine Woche, maximal bis sechs Wochen, ein Regal für ein bis vier Euro je nach Größe mieten und ausrangierte Ware zum Verkauf anbieten. Wenn die Mietzeit abgelaufen ist, können die Erlöse der Verkäufe abgeholt werden. Jeder, vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Geschäftsführer, lässt hier seine Regalen füllen. Die Nachfrage danach sei hoch, sagt Vogelsang.

Das Projekt, das in dieser Form einmalig in Niedersachsen ist, hat vor zehn Jahren mit zehn Mitarbeitern begonnen. In der Zeit haben bereits 50 Leute für das Geschäft gearbeitet. Eine von ihnen ist Friederike Kopili. Seit sieben Jahren ist sie bereits dabei. Aufmerksam wurde sie auf den Laden, als in der Begegnungsstätte das Angebot für einen Ladendienst sah. „Ich war früher beruflich selbstständig und wollte gerne wieder arbeiten“, sagt sie.

Wenn sie morgens ins Geschäft kommt, muss sie erstmal das Geld in der Kasse zählen, Regale auffüllen, den Mietern die Erlöse auszahlen. Außerdem kontrolliert Kopili täglich die Waren, ob auf jedem die Preise stehen und sie am richtigen Platz stehen. Natürlich gehört auch die Kundenberatung zu ihrer Arbeit. Für das Regalsystem gibt es ein spezielles Computer-Programm. „Ich könnte das nicht bedienen“, sagt Vogelsang. Dafür hätten sie ja ihre Experten.

Warum Kopili aus ihrer Selbstständigkeit ausgeschieden ist, das möchte sie nicht sagen, doch jeder, der hier arbeitet, hat eine psychische Erkrankung. In die Arbeitswelt werden sie nicht mehr zurückfinden.

 

 

Quelle: https://www.peiner-nachrichten.de/peine/article215581671/Ein-Indoor-Flohmarkt-der-ganz-besonderen-Art.html